Kurzantwort
EinKettenradist ein Zahnrad, das mit einer Rollenkettenkette in Eingriff steht und Leistung schlupffrei überträgt. Im Unterschied zu Zahnrädern (die mit anderen Zahnrädern kämmen) oder Riemenantrieben (bei denen Schlupf auftreten kann) bieten Kettenräder über größere Achsabstände eine formschlüssige Kraftübertragung.Gängige Ausführungen:Typ A/B/C/Dnach Nabe,einfach/zweifach/dreifachnach Strangzahl

Kettenräder vs. Zahnräder
Ein Kettenrad überträgt die Leistung über eine Rollenkettenkette; ein Zahnrad kämmt direkt mit einem anderen Zahnrad.

Tabelle 1: Kettenrad vs. Zahnrad – die wichtigsten Unterschiede im Überblick

Merkmal

Kettenräder

Zahnräder

Eingriff mit

Kette

Einem anderen Zahnrad

Funktionsprinzip

Stufenweiser Eingriff mit den Kettenrollen

Kontinuierlicher Zahneingriff der Zahnflanken

Achsabstand

Geeignet für größere Achsabstände

Erfordert präzise, eng beieinanderliegende Anordnung

Hauptanwendungen

Förderanlagen, Fahrräder, Motorräder

Getriebe, Untersetzungsgetriebe, Präzisionsmaschinen

Eine ausführliche Gegenüberstellung der Unterschiede finden Sie in unserem detaillierten Blogbeitrag, Kettenräder vs. Zahnräder: Wesentliche Unterschiede, Einsatzbereiche und Auswahlkriterien.

Sie kommen überall dort zum Einsatz, von Fahrrädern und Förderanlagen bis hin zu schweren Industrieanlagen.

Im Unterschied zu Riemen greifen Kettenräder formschlüssig in die Kette ein, und im Unterschied zu Zahnrädern, erfordern sie keinen millimetergenauen Achsabstand.

Im Folgenden erläutern wir die Funktionsweise, die verfügbaren Ausführungen und die Auswahl des passenden Kettenrads.

Kettenräder in verschiedenen Zähnezahlen, Strangzahlen und Nabenausführungen
Eine Auswahl an Kettenrädern – ein- und dreireihige Ausführungen sowie Flachscheiben- und Nabenvarianten.

Funktionsweise von Kettenrädern

Kettenräder übertragen Leistung durch formschlüssigen Eingriff in eine Rollenketten.

  • Das Wirkprinzip: Beim Drehen des Kettenrads nimmt jeder Zahn einen Kettenrollen sanft auf. Diese direkte mechanische Verbindung zieht die Kette synchron und ohne Verzögerung weiter.

  • Teilungsabgleich: Damit das System effizient läuft, muss der Abstand zwischen den Zähnen exakt der Teilung der Kette entsprechen. So wird ein sauberer Eingriff gewährleistet und verhindert, dass die Kette auf die Zähne hinaufklettert.

Diagramm eines Motorrad-Kettenantriebs mit Kettenrädern und Wellen
Formschlüssiger Eingriff: Die Zähne des Kettenrads umschließen jede Kettenrolle präzise und gewährleisten schlupffreie, synchron übertragene Leistung.

Wie werden Kettenräder gefertigt?

Kettenräder werden typischerweise aus Kohlenstoffstahl, legiertem Stahl, Edelstahl, Gusseisen oder technischen Kunststoffen, je nach Anwendung. Der Fertigungsprozess beginnt mit der Herstellung eines Metallrohteils durch Schneiden, Stanzen oder Schmieden. Anschließend wird das Kettenrad CNC-bearbeitet gefertigt, um Bohrung, Passfedernut und exakt profilierte, auf die Kette abgestimmte Zähne herzustellen. Bei Stahlkettenrädern wird eine Wärmebehandlung wie Induktionshärten oder Einsatzhärten eingesetzt, um Zahnoberflächenhärte und Verschleißfestigkeit zu erhöhen. Abschließend durchläuft das Kettenrad Nachbearbeitungsschritte wie Schleifen, Entgraten, Beschichten oder Oberflächenveredelung. Anschließend erfolgen Qualitätsprüfungen zur Kontrolle von Abmessungen, Zahngeometrie und Gesamtleistung, bevor das Bauteil für den Einsatz in Kraftübertragungssystemen freigegeben wird.

Wesentliche Bauteile und Begriffe bei Kettenrädern

  • Zähne und Zahnzahl: Die Eingriffsprofile. Die Zahnzahl des antreibenden und des angetriebenen Kettenrads bestimmt das Übersetzungsverhältnis von Drehzahl und Drehmoment im System.

  • Teilung: Der Abstand zwischen den entsprechenden Punkten benachbarter Zähne. Dieser muss exakt der Kettenteilung entsprechen.

  • Teilkreisdurchmesser (P.D.): Der Durchmesser des Kreises, durch dessen Mittelpunkt die Kettenrollen im Eingriff laufen. Er beeinflusst Kettengeschwindigkeit und Achsabstand; das Übersetzungsverhältnis selbst ergibt sich jedoch aus der Zahnzahl und nicht aus den Durchmessern.

  • Außendurchmesser (O.D.): Der Durchmesser über die Zahnspitzen des Kettenrads. Dieses Maß ist entscheidend, um ausreichenden Bauraum innerhalb des Maschinengehäuses sicherzustellen.

  • Nabendurchmesser und Durchgangsbohrungslänge (LTB): Der Außendurchmesser der Nabe sowie ihre Gesamtlänge entlang der Welle. Beide Werte sind in Katalogdatenblättern aufgeführt und geben an, ob das Kettenrad ausreichend Freigang zu umliegenden Bauteilen hat.

  • Maximale Bohrung: Die größte Bohrung, die ohne Schwächung der Nabe bearbeitet werden kann. In Spezifikationstabellen als „Bore Max“ angegeben.

Bestandteile von Kettenrädern
Teilung, Teilkreisdurchmesser (P.D.), Außendurchmesser (O.D.) und Kettenfreimaßdurchmesser sind die maßgeblichen Abmessungen für die Auswahl eines Kettenrads.

Befestigungsmerkmale

  • Bohrung: Die mittig bearbeitete Bohrung zur Aufnahme der Welle. Eine präzise Passung ist entscheidend, um Unwucht zu vermeiden und eine effiziente Kraftübertragung sicherzustellen.

  • Nabe: Die verstärkte Struktur um die Bohrung, die für hohe Befestigungsfestigkeit und Stabilität sorgt. Unterschiedliche Nabenausführungen (Typ A, B, C, D) decken verschiedene Belastungs- und Bauraumanforderungen ab.

Praxistipp: Fertigungstoleranzen

Hochwertige Kettenräder werden mit engen Fertigungstoleranzen hergestellt, um einen ruhigen und zuverlässigen Eingriff der Kette sicherzustellen.

In der Regel liegt die Toleranz des Zahnprofils im Bereich von ±0.002" bis ±0.005". Die exakte Übereinstimmung der Teilung ist entscheidend, da bereits eine Abweichung von 1% in der Teilungslänge zu erhöhtem Verschleiß an Kette und Kettenradzähnen führen kann.

Wichtige Formelformeln für die Auswahl

Für die Auslegung von Kettenrädern und Antriebsanordnungen genügen in den meisten Fällen zwei Formeln. P ist die Kettenteilung und N die Zähnezahl.

Abmessung

Formel

#40-Kette (0.5" Teilung), 20 Zähne

Teilkreisdurchmesser (P.D.)

P ÷ sin(180° / N)

0.5" ÷ sin 9° ≈ 3.196"

Außendurchmesser (O.D.)

P × (0,6 + cot(180° / N))

0,5" × 6,914 ≈ 3,457"

Achten Sie auf die vereinfachte Faustregel: Das Addieren des Rollendurchmessers der Kette zum Teilkreisdurchmesser ist eine verbreitete Faustregel, überschätzt den Außendurchmesser bei mittelgroßen Ketten jedoch um rund 0,1" – und das kann bei der Prüfung des Gehäusefreiraums bereits relevant sein. Verwenden Sie daher die obige Formel.

Hinweis: Beide Formeln basieren auf ANSI B29.1. Für Berechnungen der Achsabstände und komplexe Antriebsanordnungen ziehen Sie bitte die Auslegungsunterlagen des Herstellers heran.

Kettenrädertypen

Die Vielfalt der Kettenräder ist groß; die Ausführungen sind jeweils auf spezifische Lastanforderungen und Montagebedingungen abgestimmt.

Schnellübersicht zu Kettenrädertypen

Kettenradkategorie

Haupttypen

Wesentlicher Vorteil

Geeignet für ...

ANSI-Nabenausführung

Typ A, B, C, D

Bestimmt die Montagestabilität und den Platzbedarf.

Industrieanlagen und kundenspezifische Aufnahmen.

Strangzahl

Simplex, Duplex, Triplex

Bestimmt Leistungsdichte und Tragfähigkeit.

Umgebungen mit hohem Drehmoment und hoher Belastung.

Bauart der Montage

Konusbuchse, fertige Bohrung

Erleichtert die Montage und die Wellenfixierung.

Häufige Wartung und hoher Spannbedarf.

Spezialausführung

Umlenkrolle, wandernder Zahn

Verlängert die Kettenlebensdauer und kompensiert Kettenschlaffheit.

Langstreckenantriebe und präzise Synchronisierung.

Nach Strangkonfiguration: einfach, doppelt, dreifach

Die Anzahl der Zahnreihen bestimmt die Tragfähigkeit und Leistungsdichte des Systems:

Simplex (einsträngig)

Die am häufigsten eingesetzte Ausführung für die Standard-Leistungsübertragung in Anwendungen mit mittlerer Belastung.

Einsträngiges Kettenrad
Simplex: eine einzelne Zahnreihe für Standardantriebe mit mittlerer Belastung.

Duplex (zweisträngig)

Zwei parallele Zahnreihen verdoppeln die übertragbare Last des Antriebs ungefähr. Die Kettenteilung bleibt unverändert, jedoch sind Kettenrad und Kette etwa doppelt so breit — berücksichtigen Sie bei der Gehäuseauslegung den zusätzlichen axialen Bauraum.

Zweisträngiges Kettenrad
Duplex: Zwei parallele Zahnreihen erhöhen die Tragfähigkeit gegenüber Simplex um 65–90 %.

Triplex (Dreifach-Strang)

Verwendet drei Zahnreihen für hochbelastete Hochleistungsanwendungen in anspruchsvollen industriellen Umgebungen.

Triplex-Kettenrad mit drei Zahnreihen
Triplex: drei Zahnreihen für hochbelastete Hochleistungsantriebe.

Schnittdarstellungen von Triplex-Kettenrädern in den Nabenausführungen Typ B und Typ C
Triplex-Kettenräder im Schnitt: Typ B mit einfachem Nabenkranz (links) und Typ C mit doppeltem Nabenkranz (rechts).

Lastverteilung und Tragfähigkeit

Der Einsatz mehrerer Stränge erhöht die Leistungsdichte des Systems deutlich. Nach industriellen Richtwerten gilt:

  • Ein Duplex (zweisträngig) Kettenrad trägt etwa 70 % mehr Last als eine Simplex-Ausführung (ANSI-Mehrstrangfaktor 1,7).

  • Ein Triplex (Dreifach-Strang) trägt etwa das 2,5-Fache der Last eines Einstrangsystems (Faktor 2,5).

Hinweis: Die tatsächlichen Leistungswerte können je nach Kettenteilung, Betriebsgeschwindigkeit und Schmierung gemäß den üblichen Richtwerten für Mehrstranganwendungen variieren.

Konstruktionsregel: Mindestzähnezahl

Für Hochgeschwindigkeitsanwendungen sollte das antreibende Kettenrad mindestens 17 bis 21 Zähne aufweisen.

Dadurch lässt sich der "Polygon-Effekt" – die durch die gelenkige Struktur der Kette verursachte Geschwindigkeitsdifferenz – minimieren und die schädliche Systemschwingung verringern.

Nach Nabenausführung (ANSI-Standards)

Die Nabenausführung bestimmt, wie viel Montagestütze das Kettenrad bietet und wie viel axialen Bauraum es benötigt.

Kettenräder Typ A (Flachscheibe)

Eine Planscheibe mit Zähnen ohne Nabe. Geeignet für Einbausituationen mit minimalem axialem Bauraum oder wenn das Kettenrad direkt mit einem angetriebenen Bauteil verschweißt wird. In unserem Katalog geführt als Flachkettenräder.

Kettenrad Typ A
Typ A: eine Planscheibe mit Zähnen ohne Nabe – für beengte Einbauräume oder zur Schweißmontage.

Kettenräder Typ B (Einfachnabe)

Mit Nabenverlängerung auf einer Seite verbindet diese Ausführung eine kompakte Bauweise mit erhöhter Befestigungsfestigkeit. Geeignet für mittlere Belastungen und Anwendungen mit einseitigen Montageanforderungen.

Kettenrad Typ B mit einseitiger Nabenverlängerung
Typ B: Nabenverlängerung nur auf einer Seite.

Schnitt- und Vorderansichtszeichnungen eines Kettenrads Typ B
Schnitt- und Vorderansicht eines Kettenrads Typ B mit einseitiger Nabe.

Kettenräder Typ C (Doppel­nabe)

Zwei gleich ausgeführte Naben auf beiden Seiten sorgen für eine symmetrische Bauform. Dadurch werden maximale Tragfähigkeit und hohe Stabilität erreicht. Ausgelegt für Schwerlastanwendungen.

Kettenrad Typ C mit gleich ausgeführten Naben auf beiden Seiten
Typ C: gleich ausgeführte Naben auf beiden Seiten für maximale Tragfähigkeit und Stabilität.

Schnittzeichnung eines Kettenrads Typ C
Schnittansicht eines Kettenrads Typ C – die Nabe ragt auf beiden Seiten der Scheibe gleich weit hervor.

Kettenräder Typ D (versetzte Nabe)

Naben mit unterschiedlicher Dicke. Löst spezielle Montage- und Ausrichtungsprobleme in komplexen Anlagen.

Kettenräder Typ D
Typ D: Naben mit unterschiedlicher Dicke lösen schwierige Ausrichtungsprobleme.

Klassifizierung nach Montageausführung

Die Art, wie ein Kettenrad auf der Welle befestigt wird, bestimmt seine Montageausführung:

Kettenräder mit Vorbohrung

Sie verfügen über eine rohe, unbearbeitete zylindrische Bohrung. Dadurch sind sie besonders flexibel, da die Bohrung auf das exakte Wellmaß und die Passfedernut aufgebohrt und bearbeitet werden kann, sodass die Passung individuell angepasst wird. In unserem Katalog sind sie als Kettenräder mit bearbeitbarer Bohrung aufgeführt.

Kettenrad mit Vorbohrung
Vorbohrung: eine unbearbeitete Bohrung, die vom Anwender auf Maß aufgebohrt und mit Passfedernut versehen wird.

Kettenräder mit Fertigbohrung

Sie werden mit Fertigbohrung und Passfedernut für ein Standard-Wellmaß geliefert und können ohne zusätzliche Bearbeitung montiert werden. Üblicherweise werden sie mit Gewindestiften auf der Welle fixiert. Ein Kettenrad mit Fertigbohrung unterscheidet sich damit vom nachfolgend beschriebenen Typ mit Buchsenbohrung, der eine separate Konusbuchse erfordert.

Kettenrad mit Fertigbohrung und Passfedernut
Fertigbohrung: vorgebohrt und mit Passfedernut für die sofortige Montage.

Schnittzeichnung eines Kettenrads mit Fertigbohrung
Schnittdarstellung eines Kettenrads mit Fertigbohrung und Nabe.

Kettenräder mit Konusbuchse (Buchsenbohrung)

Geliefert als Kettenräder mit Buchsenbohrung, verwenden sie eine geschlitzte Konusbuchse, die das Kettenrad beim Anziehen sicher auf der Welle fixiert. Die Buchse sorgt für hohe Klemmkraft, erleichtert die Montage und lässt sich mit einfachem Werkzeug wieder lösen — besonders vorteilhaft bei hohen Belastungen oder häufigen Kettenradwechseln. Gängige Buchsensysteme sind Taper-Lock, Split-Tapered und Quick-Disconnect (QD).

Kettenrad mit Konusbuchse, geschlitzter Konusbuchse und Klemmschrauben
Konusbuchse: Eine geschlitzte Konusbuchse klemmt sich beim Anziehen auf der Welle fest.

Schnittzeichnungen von ein- und zweireihigen Kettenrädern mit Konusbuchse
Kettenräder mit Konusbuchse im Schnitt: simplex (links) und duplex (rechts).

QD-Kettenräder
QD-Spannbuchsen (quick detachable) lassen sich mit einfachem Werkzeug ausbauen.

Spezielle Kettenrad-Ausführungen

Umlenk-Kettenräder

Im Unterschied zu Standard-Kettenrädern Umlenk-Kettenräder sind sie nicht mit einer Antriebswelle verbunden. Sie dienen dazu, den Kettenlauf zu führen, Kettendurchhang aufzunehmen und in Langstreckenantrieben die richtige Vorspannung sicherzustellen.

Umlenk-Kettenräder
Umlenk-Kettenräder werden nicht angetrieben; sie führen den Kettenlauf und nehmen den Durchhang auf.

Kettenräder mit ungerader Zähnezahl

Die ungerade Zähnezahl dieser Kettenräder verhindert wiederkehrende Verschleißbilder. Statt dass dasselbe Kettenglied immer wieder in denselben Zahn eingreift, entsteht durch die ungerade Anzahl ein wanderndes Kontaktmuster. Diese gleichmäßige Verschleißverteilung verlängert sowohl die Lebensdauer der Kette als auch des Kettenrads.

Kettenräder mit ungerader Zähnezahl
Ungerade Zähnezahl: Das Kontaktmuster wandert und der Verschleiß verteilt sich gleichmäßiger.

Segment-Kettenräder

Sie sind darauf ausgelegt, Stillstandszeiten an Großanlagen zu minimieren. Der Kranz besteht aus austauschbaren Segmenten, sodass verschlissene Bereiche einzeln erneuert werden können, während die Welle eingebaut bleibt, anstatt das komplette Kettenrad auszubauen und zu ersetzen.

Segment-Kettenräder
Segmentkranz: Verschlissene Kranzsegmente lassen sich ersetzen, ohne die Welle auszubauen.

Kettenräder für Miniatur-Rollenketten

Kettenräder für Miniatur-Rollenketten passen zu Ketten wie ANSI 25 und 35. Sie sind für Anwendungen mit engem Bauraum und hoher Bewegungspräzision ausgelegt. Typische Einsatzbereiche sind 3D-Drucker, Medizintechnik, Roboter und Präzisionswerkzeuge.

Kettenräder für Miniatur-Rollenketten
Kettenräder für Miniatur-Rollenketten (ANSI 25, 35) eignen sich für 3D-Drucker, Medizinprodukte und Robotik.

Kettenräder nach Belastung und Einsatzumgebung ausgewählt

Neben Naben- und Bohrungsausführung werden Kettenräder auch danach spezifiziert, welchen Belastungen der Antrieb standhalten muss:

  • Verschleißfeste Kettenräder: Stahl mit gehärteten Zähnen für abrasive Anwendungen oder hohe Lastwechselzahlen, bei denen der Zahnverschleiß den Austauschintervall bestimmt.

  • Korrosionsbeständige Kettenräder: Edelstahl 18-8 für Nassreinigung, Lebensmittelkontakt und den Einsatz im Außenbereich.

  • Leichtbau-Kettenräder: aus Nylon statt Stahl für Antriebe mit geringer Last, bei denen Gewicht, Geräuschentwicklung oder Korrosionsbeständigkeit wichtiger sind als die Zahnfestigkeit.

  • Kettenräder für Doppelteilung: für Doppelpitch-Ketten (Serien 2040, 2042, 2050 und 2052), deren Teilung doppelt so groß ist wie die der entsprechenden Standardkette — die Kette 2040 hat eine Teilung von 1" gegenüber 0,5" bei #40. In den Katalogdaten sind sowohl die tatsächliche als auch die wirksame Zähnezahl angegeben. Sie eignen sich für lange Förderstrecken mit leichten Lasten, da weniger Kettenglieder pro Fuß Kosten und Gewicht reduzieren.

Kettenradwerkstoffe und Auswahlkriterien

Die Wahl des richtigen Kettenradwerkstoffs ist ein Abwägungsprozess, bei dem Faktoren wie Einsatzumgebung, Belastung und erwartete Lebensdauer berücksichtigt werden müssen. Einen direkten Vergleich der beiden gängigsten Optionen finden Sie unter Kettenräder aus Kohlenstoffstahl vs. Edelstahl.

Stahl und Edelstahl (der Industriestandard)

Stahl ist äußerst langlebig und vielseitig einsetzbar und die erste Wahl für anspruchsvolle Kraftübertragungen.

  • Kohlenstoffstahl (C45/1045): Die Zähne werden in der Regel induktiv auf HRC 40-50 gehärtet, wodurch sich die Lebensdauer um das 2- bis 3-Fache in abrasiven Umgebungen verlängern kann.

  • Edelstahl: Für korrosive Umgebungen. Unsere korrosionsbeständigen Kettenräder sind aus 18-8-Edelstahl (Werkstofffamilie 304), geeignet für die Lebensmittelverarbeitung, für Washdown-Anwendungen und den Außeneinsatz.

Hinweis: Ein Stahl-Kettenantrieb arbeitet zuverlässig von etwa -20°C bis +150°C. Die Einsatzgrenze wird dabei eher durch den Schmierstoff als durch das Kettenradmaterial bestimmt; prüfen Sie daher die Freigabe des Schmierstoffs, bevor Sie diesen Bereich überschreiten.

Kunststoffe und Verbundwerkstoffe (Leichtlast- und geräuscharmer Betrieb)

Eingesetzt, wenn Geräuschminderung oder chemische Beständigkeit im Vordergrund stehen.

  • Nylon und POM: Ideal für leichte Fördersysteme und Reinraumanwendungen.

  • Wesentliche Vorteile: Hervorragende Geräuschdämpfung, selbstschmierende Eigenschaften und 100 % rostfrei.

Aluminium (High Performance)

Sinnvoll, wenn Gewichtsreduzierung wichtiger ist als langfristige Verschleißfestigkeit. Bitte beachten Sie, dass Aluminium-Kettenräder im Wesentlichen auf Motorrad- und Fahrrad-Antriebe beschränkt sind – in industriellen Kettenantrieben kommen Stahl, Edelstahl oder technische Kunststoffe zum Einsatz.

  • Hauptanwendungen: Besonders beliebt für Rennmotorräder und Hochleistungsfahrräder.

  • Technischer Hinweis: Typischerweise hartanodisiert zur Erhöhung der Oberflächenhärte und zur Verlängerung der Lebensdauer.

Einsatzbereiche von Kettenrädern in verschiedenen Branchen

Kettenräder sind in zahlreichen Branchen ein wesentlicher Bestandteil der Bewegungssteuerung.

Transport und Individualfahrzeuge

  • Fahrräder: Das vordere Kettenblatt und die hinteren Ritzel der Kassette übertragen die Tretkraft in Vortrieb. Sie ermöglichen unterschiedliche Übersetzungsverhältnisse für verschiedene Fahrbedingungen.

  • Motorräder: Zwei Kettenräder arbeiten zusammen – eines am Motor und eines am Hinterrad – und bilden das Endantriebssystem. Häufig wird die Zähnezahl angepasst, um die Performance zu verändern. So verbessert beispielsweise eine höhere Zähnezahl am hinteren Kettenrad die Beschleunigung.

Schwermaschinen und industrielle Anwendungen

  • Fördersysteme: Kettenräder treiben die modularen Ketten- oder Bandlösungen an, die in Verpackungsanlagen, Montagelinien und Materialflussanlagen eingesetzt werden.

  • Kettenfahrzeuge (Panzer, Bagger): Hochbelastbare Kettenräder sind die zentrale Komponente in Panzern und Baggern. Sie greifen in die Kettensegmente ein und übertragen das hohe Drehmoment, das für die Bewegung dieser Fahrzeuge erforderlich ist.

  • Steuersysteme: Kleine, präzise Kettenräder sorgen in industriellen Anwendungen wie Rundtaktmaschinen und Druckmaschinen für den synchronen Lauf. Auch in Verbrennungsmotoren sind sie von zentraler Bedeutung, da sie die Drehbewegung von Kurbelwelle und Nockenwelle aufeinander abstimmen.

Das richtige Kettenrad auswählen: Eine kurze Übersicht

Bei der Auslegung oder Instandhaltung eines Kettentriebs sollten Sie diese vier zentralen Auswahlkriterien beachten. Einen umfassenderen Überblick finden Sie in unserem Leitfaden zu industriellen Ketten und Kettenrädern.

1. Teilung abstimmen

Dies ist nicht verhandelbar. Die Teilung des Kettenrads muss exakt der Kettenteilung entsprechen (z. B. erfordert eine #40-Kette ein #40-Kettenrad). Die Auswahl richtet sich in erster Linie nach einem von zwei genormten Systemen:

ANSI-Rollenketten (American National Standards Institute): Der zöllige Standard, der in den USA und in vielen industriellen Anwendungen verbreitet ist. (z. B. #35, #40, #50, #60).

→ Entdecken Sie unser Sortiment an Kettenrädern für ANSI-Rollenketten.

Metrische Rollenketten (ISO-Standard): Dieses System arbeitet mit Millimetern statt mit Zoll. Es ist in den meisten Ländern verbreitet, darunter in Europa und Asien. Zu den gängigen Größen zählen 08B, 10B und 12B.

Referenz für ANSI- und metrische Teilungen

Zuordnung von Kettennummer zu Teilung, ergänzt um den Außendurchmesser eines Kettenrads mit 20 Zähnen je Größe als Plausibilitätsprüfung:

Ketten-Nr.

Teilung (in)

Teilung (mm)

ISO-/BS-Kette, gleiche Teilung

Außendurchmesser bei 20 Zähnen

#25

0,250"

6,35

1,73"

#35

0,375″

9,52

06B

2,59″

#40

0,500″

12,70

08B

3,46″

#41

0,500″

12,70

3,46″

#50

0,625″

15,88

10B

4,32″

#60

0,750″

19,05

12B

5,19″

#80

1,000 Zoll

25,40

16B

6,91 Zoll

#100

1,250 Zoll

31,75

20B

8,64 Zoll

#120

1,500 Zoll

38,10

24B

10,37 Zoll

#140

1,750 Zoll

44,45

28B

12,10 Zoll

#160

2.000 Zoll

50.80

32B

13,83 Zoll

#180

2.250 Zoll

57.15

15,56 Zoll

#200

2.500 Zoll

63.50

40B

17,28 Zoll

#240

3.000 Zoll

76.20

48B

20,74 Zoll

Die gleiche Teilung bedeutet nicht dieselbe Kette. Eine oben aufgeführte ISO-/BS-Kette weist zwar dieselbe ANSI-Teilung auf, unterscheidet sich jedoch im Rollendurchmesser und in der Innenbreite; die Kettenräder sind daher nicht austauschbar. LILY führt metrische Kettenräder von 06B bis 32B in Einfach-, Zweifach- und Dreifachausführung.

→ Entdecken Sie unser Sortiment an Kettenräder für metrische Rollenketten.

2. Zähnezahl festlegen

Wählen Sie die Zähnezahl anhand des erforderlichen Drehzahl-/Drehmomentverhältnisses und des notwendigen Umschlingungswinkels der Kette.

3. Werkstoff auswählen

Die Auswahl sollte sich an den Umgebungsbedingungen (Feuchtigkeit, Temperatur, Korrosion) sowie an der erforderlichen Tragfähigkeit orientieren.

4. Befestigungsart wählen

Dies hängt vom Montageaufwand und den Anforderungen an die Sicherung ab (z. B. Taper-Buchse bei häufigem Wechsel und hoher Belastung).

Wartung und Austausch

Ein Kettenrad sollte stets geprüft werden, wenn eine Kette ersetzt wird. Hat die Kette eine Längung von 1,5 % bis 3 % erreicht, ist eine vollständige Überholung der Anlage erforderlich – als Faustregel verkürzt eine neue Kette auf verschlissenen Kettenrädern die Lebensdauer der neuen Kette um 40–60 %.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Kettenrad?

Ein Kettenrad ist ein Zahnrad, das in die Glieder einer Rollenketten eingreift, um Drehbewegungen schlupffrei zu übertragen. Es ist ein zentrales Bauteil in kettengetriebenen Systemen – vom Fahrrad und Motorrad bis zu Förderanlagen und Industriemaschinen.

Ist ein Kettenrad dasselbe wie ein Lager?

Nein. Ein Kettenrad überträgt die Leistung über den Zahneingriff mit der Kette, während ein Lager eine rotierende Welle abstützt und Reibung reduziert – beide erfüllen also unterschiedliche Aufgaben. In der Praxis werden sie jedoch häufig kombiniert: Viele Umlenkkettenräder verfügen über ein integriertes Kugellager in der Nabe, sodass sie sich frei drehen und die Kette führen können, ohne Antriebsleistung zu übertragen.

Wann sollte ein Kettenrad ersetzt werden?

Prüfen Sie das Kettenrad bei jedem Kettenwechsel. Hat die Kette eine Längung von 1,5 %–3 % erreicht, sind die Zähne in der Regel ebenfalls so weit verschlissen, dass ein Austausch erforderlich ist – als Faustregel verkürzt eine neue Kette auf verschlissenen Kettenrädern ihre Lebensdauer um 40–60 %.

Fazit

Kettenräder sind grundlegende mechanische Bauteile, die Drehleistung effizient in eine kontrollierte Bewegung umsetzen.

Die richtige Auswahl der Nabentypen und eine fachgerechte Wartung gewährleisten die optimale Leistungsfähigkeit jedes Kettenantriebssystems.

Benötigen Sie kundenspezifische Lösungen für Ihre Anwendung? Wenden Sie sich an unsere Ingenieure für eine fachkundige Beratung.