In Rollenkettentrieben ist die Zähnezahl des Kettenrads von entscheidender Bedeutung. Sie beeinflusst maßgeblich die Funktion des gesamten Systems. Unabhängig davon, an welcher Maschine Sie arbeiten, ist das Verständnis der Zähnezahl wichtig. Dies gilt für Motorräder, Förderanlagen, Landmaschinen und andere kettengetriebene Maschinen.
Wenn Sie wissen, wie sich die Zähnezahl auf Drehzahl, Drehmoment und Kettenstandzeit auswirkt, können Sie Zeit und Kosten sparen. Zugleich lassen sich kostspielige Ausfallzeiten vermeiden.
Was versteht man unter der Zähnezahl eines Kettenrads?
Die Zähnezahl eines Kettenrads bezeichnet die Gesamtzahl der Zähne entlang des Umfangs eines Kettenrads. Diese scheinbar einfache Zahl hat weitreichende Auswirkungen auf den Betrieb Ihres Kettentriebs. Übliche Zähnezahlen reichen von 10 Zähnen bei kleinen treibenden Kettenrädern bis zu mehr als 100 Zähnen bei großen getriebenen Kettenrädern im industriellen Einsatz.
Die Zähnezahl beeinflusst den Teilkreisdurchmesser des Kettenrads. Gemeint ist der Durchmesser des Kreises, der durch die Mittelpunkte der Kettenbolzen verläuft. Mit zunehmender Zähnezahl wächst auch der Teilkreisdurchmesser. Diese Veränderung beeinflusst das Zusammenspiel des Kettenrads mit der Kette und die Kraftübertragung.

Grundlagen: Übersetzungsverhältnisse und Untersetzung bei Kettenrädern
Bevor die konkreten Auswirkungen der Zähnezahl betrachtet werden, ist das Verständnis des Übersetzungsverhältnisses bei Kettenrädern entscheidend. Das Verhältnis zwischen treibendem und getriebenem Kettenrad bestimmt den mechanischen Vorteil des Systems. Das treibende Kettenrad ist mit der Antriebsquelle verbunden, das getriebene Kettenrad mit der Last.
Berechnung des Kettenrad-Übersetzungsverhältnisses: Es ergibt sich, indem die Zähnezahl des getriebenen Kettenrads durch die Zähnezahl des treibenden Kettenrads geteilt wird.
Beispiel 1: Treibend = 15 Zähne, Getrieben = 45 Zähne
Übersetzung = 45 ÷ 15 = 3:1
Die Abtriebswelle dreht sich einmal bei drei Umdrehungen der Antriebswelle
Beispiel 2: Treibend = 20 Zähne, Getrieben = 20 Zähne
Übersetzung = 20 ÷ 20 = 1:1
Beide Wellen drehen mit derselben Drehzahl
Das Verständnis dieses Verhältnisses ist entscheidend, da es die Grundlage dafür bildet, wie sich die Zähnezahl auf Drehzahl und Drehmoment auswirkt.

Wie sich die Zähnezahl auf die Drehzahl auswirkt
Der Zusammenhang zwischen der Zähnezahl von Kettenrädern und der Drehzahl ist einfach: Erhöhen Sie bei unverändertem Antriebsrad die Zähnezahl des Abtriebsrades, sinkt die Abtriebsdrehzahl.
Szenarien zur Drehzahlreduzierung
Hochgeschwindigkeitsanwendungen (Drehzahlerhöhung)
Hat das Antriebsrad mehr Zähne als das Abtriebsrad, entsteht eine Drehzahlerhöhung beziehungsweise eine Überdrehung. Ein Antriebsrad mit 30 Zähnen und ein Abtriebsrad mit 15 Zähnen ergeben ein Übersetzungsverhältnis von 1:2. Damit dreht die Abtriebswelle doppelt so schnell wie der Antrieb.
Diese Ausführung ist üblich bei:
Fahrradantrieben, bei denen maximale Geschwindigkeit im Vordergrund steht
Bestimmten Förderanlagen, die einen schnellen Materialtransport erfordern
Bestimmten Kraftübertragungsanwendungen, bei denen die Drehzahl vor dem Drehmoment priorisiert wird
Anwendungen zur Drehzahlreduzierung
Umgekehrt führt ein Abtriebsrad mit mehr Zähnen als das Antriebsrad – der häufigere Fall – zu einer Drehzahlreduzierung. Ein Antriebsrad mit 15 Zähnen und ein Abtriebsrad mit 60 Zähnen ergeben eine Untersetzung von 4:1; die Abtriebsseite dreht damit mit einem Viertel der Eingangsdrehzahl.
Eine Drehzahlreduzierung findet sich vor allem in:
Motorradhinterradantrieben (von der Motordrehzahl zur Raddrehzahl)
Industriemaschinen, die bei niedrigen Drehzahlen ein hohes Drehmoment erfordern
Landmaschinen wie Mähdrescher und Bodenfräsen
Schwerlastförderer für den Transport großer Lasten
Berechnung der Abtriebsdrehzahl
Zur Berechnung der tatsächlichen Abtriebsdrehzahl in RPM:
Abtriebsdrehzahl RPM = (Zähnezahl Antriebsrad ÷ Zähnezahl Abtriebsrad) × Eingangsdrehzahl RPM
Wenn Ihr Motor mit 1.800 RPM läuft und ein Antriebsrad mit 15 Zähnen sowie ein Abtriebsrad mit 45 Zähnen eingesetzt werden:
Abtriebsdrehzahl RPM = (15 ÷ 45) × 1.800 = 600 RPM
Dieser mathematische Zusammenhang macht die Auswahl von Kettenrädern zu einem wirksamen Weg, präzise Drehzahlanforderungen zu erfüllen. Dies lässt sich ohne Austausch von Motoren oder anderen Antriebsquellen realisieren.

Wie die Zähnezahl das Drehmoment beeinflusst
Obwohl Drehzahl und Drehmoment häufig getrennt betrachtet werden, stehen sie in Kettenantrieben in einem umgekehrten Verhältnis zueinander. Das Grundprinzip lautet, dass die Leistung konstant bleibt – abzüglich von Wirkungsverlusten. Sinkt die Drehzahl, muss das Drehmoment entsprechend steigen.
Der Effekt der Drehmomentverstärkung
Erhöhen Sie die Zähnezahl des angetriebenen Kettenrads im Verhältnis zum antreibenden Kettenrad, entsteht ein mechanischer Vorteil. Dadurch ist für das Bewegen einer bestimmten Last weniger Eingangsdrehmoment erforderlich; umgekehrt kann ein gegebenes Eingangsdrehmoment eine schwerere Last bewegen.
Drehmomentberechnung: Abtriebsdrehmoment = Eingangsdrehmoment × Kettenradübersetzung
Am zuvor genannten Beispiel mit dem Übersetzungsverhältnis 3:1 (15 Zähne antreibend, 45 Zähne angetrieben):
Bei einem Eingangsdrehmoment von 10 lb-ft
Abtriebsdrehmoment = 10 lb-ft × 3 = 30 lb-ft
Diese Drehmomentverstärkung macht Kettenantriebe für den Einsatz in schweren Maschinen besonders wirkungsvoll. Mit der passenden Auslegung der Kettenräder kann ein vergleichsweise kleiner Motor erhebliche Lasten bewegen.
Praktische Anwendungen des Drehmoments
Hoher Drehmomentbedarf
Anwendungen mit hohem Drehmomentbedarf setzen große angetriebene Kettenräder ein:
Bergbaumaschinen, die Tonnen von Material bewegen
Baumaschinen
Bodenfräsen in der Landwirtschaft, die harten Boden aufbrechen
Industriemischer für viskose Medien
Aufzugs- und Hebesysteme
Niedriges Drehmoment, hohe Drehzahl
In bestimmten Anwendungen steht die Drehzahl vor dem Drehmoment:
Hochgeschwindigkeitsförderer für leichte Packstücke
Bestimmte Zerspanungsprozesse
Rennmotorräder (in bestimmten Übersetzungsbereichen)
Bestimmte Pumpenanwendungen
Die Realität des Zielkonflikts
Es ist wichtig zu verstehen, dass sich in einem Direktantrieb hohe Drehzahl und hohes Drehmoment nicht gleichzeitig realisieren lassen. Die Auswahl der Zähnezahl dient im Kern dazu, das passende Verhältnis für die jeweilige Anwendung zu finden. Viele komplexe Maschinen arbeiten mit mehreren Kettenantriebsstufen oder kombinierten Systemen. So lassen sich je nach Arbeitsgang hohe Drehzahlen und hohes Drehmoment erzielen.
Wie die Zähnezahl die Standzeit der Kette beeinflusst
Weniger offensichtlich, aber ebenso wichtig ist der direkte Einfluss der Zähnezahl des Kettenrads auf die Lebensdauer der Rollenketten. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle, darunter Gelenkwinkel, Polygoneffekt und Kontaktspannungen.
Empfehlungen zur Mindestzähnezahl
Industrienormen empfehlen Mindestzahnzahlen, um eine angemessene Kettenlebensdauer sicherzustellen:
Antriebskettenräder: mindestens 17–25 Zähne (je nach Anwendung)
Abtriebskettenräder: mindestens 17 Zähne
Umlenkkettenräder: mindestens 17 Zähne
Diese Mindestwerte sind erforderlich, weil kleinere Kettenräder für die Kette deutlich härtere Betriebsbedingungen verursachen.
Der Polygoneffekt und die Gelenkbewegung der Kette
Wenn eine Kette ein Kettenrad umschlingt, folgt sie keiner perfekten Kreisbahn. Stattdessen bildet sie ein Polygon mit Seitenlängen entsprechend der Kettenteilung. Kleinere Kettenräder mit weniger Zähnen erzeugen ein Polygon mit stärkeren Winkeln, was mehrere Nachteile mit sich bringt:
Häufigere Gelenkbewegungen
Bei geringerer Zähnezahl muss die Kette pro Umdrehung häufiger gelenken, also an den Bolzengelenken abknicken. Ein Kettenrad mit 12 Zähnen erfordert 12 Bewegungen pro Umdrehung. Ein Kettenrad mit 30 Zähnen benötigt für dieselbe Umdrehung 30 Bewegungen. Allerdings absolviert das 30-Zähne-Kettenrad auf derselben Strecke weniger Umdrehungen.
Größere Gelenkwinkel
Kleinere Kettenräder zwingen die Kette bei jedem Zahneingriff zu einem stärkeren Umlenkwinkel. Dieser größere Winkel führt zu:
Höheren Belastungen von Kettenbolzen und Buchsen
Beschleunigtem Verschleiß an den Gelenkstellen
Erhöhter Reibung und Wärmeentwicklung
Einer höheren Wahrscheinlichkeit eines schwingenden Kettenbruchs
Vieleckeffekt (Geschwindigkeitsschwankung)
Der Vieleckeffekt verursacht eine geringe Geschwindigkeitsvariation, die als Chordal Action bezeichnet wird. Wenn jedes Kettenglied in die Zähne des Kettenrads ein- und ausklinkt, verändert sich der wirksame Radius geringfügig, wodurch eine Geschwindigkeitspulsation entsteht. Kleinere Kettenräder verstärken diesen Effekt und führen zu:
Erhöhten Schwingungen
Höherer Geräuschentwicklung
Höheren dynamischen Belastungen der Kette
Beschleunigtem Bauteilverschleiß

Kontaktspannung und Lastverteilung
Die Anzahl der Zähne, die zu einem gegebenen Zeitpunkt in die Kette eingreifen, beeinflusst die Lastverteilung:
Weniger Zähne = höhere Einzelzahnbelastung: Ein Kettenrad mit weniger Zähnen steht in geringerem Eingriff mit der Kette. Dadurch trägt jeder Zahn einen größeren Anteil der Gesamtlast. Diese konzentrierte Belastung beschleunigt den Zahnverschleiß.
Mehr Zähne = bessere Lastverteilung: Größere Kettenräder verfügen über mehr Zähne. Sie greifen gleichzeitig in mehr Kettenglieder ein. Dadurch verteilt sich die Last auf mehr Kontaktpunkte. Das reduziert die Belastung der einzelnen Zähne und verlängert sowohl die Lebensdauer des Kettenrads als auch der Kette.
Verschleißraten und Zahnzahl
Forschung und Praxiserfahrung zeigen klare Zusammenhänge:
10-15 Zähne: Deutlich reduzierte Kettenlebensdauer zu erwarten (potenziell 50-70 % des Optimums)
17-21 Zähne: Für viele Anwendungen geeignet, jedoch weiterhin unter dem Optimum
25–30 Zähne: Gute Kettenstandzeit für die meisten industriellen Anwendungen
35+ Zähne: Sehr hohe Kettenstandzeit, minimale Gelenkbeanspruchung
Um die Lebensdauer von Ketten zu erhöhen, empfehlen viele Ingenieure Antriebsritzel mit 21 bis 25 Zähnen. Bei hohen Lasten oder langen Einsatzzeiten wird eine höhere Zähnezahl empfohlen.

Schmierungsanforderungen
Kleinere Kettenräder mit weniger Zähnen erfordern eine häufigere und wirksamere Schmierung, weil:
Eine höhere Gelenkfrequenz erzeugt mehr Reibungswärme
Größere Umlenkwinkel drücken den Schmierstoff stärker aus dem Gelenk
Die höhere Relativbewegung zwischen Bolzen und Buchsen beschleunigt den Schmierstoffabbau
Systeme mit kleineren Kettenrädern benötigen zur Sicherstellung einer ausreichenden Kettenstandzeit häufig kontinuierliche Schmiersysteme statt einer periodischen manuellen Schmierung.
Die richtige Zähnezahl für Ihre Anwendung auswählen
Die Auswahl der optimalen Zähnezahl erfordert die Abwägung mehrerer konkurrierender Faktoren. Ein systematisches Vorgehen sieht wie folgt aus:
Schritt 1: Erforderliche Drehzahl und Drehmoment bestimmen
Gehen Sie von den Anforderungen Ihrer Anwendung aus:
Welche Eingangsdrehzahl steht zur Verfügung?
Welche Ausgangsdrehzahl wird benötigt?
Welches Drehmoment muss übertragen werden?
Welche Spitzlasten treten im Betrieb auf?
Schritt 2: Erforderliches Übersetzungsverhältnis berechnen
Berechnen Sie auf Basis der Drehzahlanforderungen das erforderliche Übersetzungsverhältnis:
Erforderliches Übersetzungsverhältnis = Eingangsdrehzahl ÷ gewünschte Ausgangsdrehzahl
Schritt 3: Zähnezahl des Antriebskettenrads festlegen
Wählen Sie das Antriebskettenrad unter Berücksichtigung folgender Punkte aus:
Mindestwert: 17 Zähne für eine angemessene Kettenlebensdauer (bei anspruchsvollen Anwendungen 25+ Zähne)
Bauraum: Größere Antriebskettenräder erfordern mehr Freiraum
Wellenmaß: Stellen Sie sicher, dass die Bohrung des Kettenrads zum Wellendurchmesser passt
Standardgrößen: Die Verwendung genormter Zähnezahlen (15, 17, 19, 20, 25, 30 usw.) senkt die Kosten
Schritt 4: Zähnezahl des Abtriebskettenrads berechnen
Multiplizieren Sie die Zähnezahl des Antriebskettenrads mit dem erforderlichen Übersetzungsverhältnis:
Zähnezahl des Abtriebskettenrads = Zähnezahl des Antriebskettenrads × erforderliches Übersetzungsverhältnis
Runden Sie auf die nächstliegende Standardgröße.
Schritt 5: Lebensdauererwartung der Kette prüfen
Stellen Sie sicher, dass beide Kettenräder die Mindestempfehlungen für die Zähnezahl unter Ihren Einsatzbedingungen erfüllen:
Leichte Beanspruchung, geringe Betriebsstunden: 17+ Zähne können ausreichend sein
Mittlere Beanspruchung: 21+ Zähne empfohlen
Schwere Beanspruchung, hohe Betriebsstunden: 25+ Zähne für das Antriebsrad, 30+ für das Abtriebsrad
Extremer Einsatz: 30+ Zähne für das Antriebsrad, 40+ für das Abtriebsrad
Schritt 6: Bauliche Einschränkungen berücksichtigen
Stellen Sie sicher, dass die ausgewählten Kettenräder in Ihren Bauraum passen:
Teilkreisdurchmesser berechnen: PD = (Teilung × Zähnezahl) ÷ π
Prüfen Sie, ob der Achsabstand beider Wellen die beiden Kettenräder sowie den erforderlichen Kettumschlingungswinkel zulässt.
Stellen Sie sicher, dass ausreichend Freiraum zu Gehäusen, Schutzvorrichtungen und benachbarten Bauteilen vorhanden ist.

Häufige Fehler bei der Zähnezahl und wie Sie diese vermeiden
Fehler 1: Aus Platzgründen eine zu geringe Zähnezahl wählen
Obwohl kleinere Kettenräder kompakt sind, ergeben sich daraus verdeckte Kosten, darunter:
Vorzeitiger Kettenausfall mit entsprechend häufigeren Wechselintervallen
Höhere Instandhaltungskosten durch zusätzlichen Personalaufwand
Mögliche Anlagenstillstände bei Kettenausfällen
Erhöhter Verschleiß der Kettenräder
Lösung: Berücksichtigen Sie bereits in der Konstruktionsphase den erforderlichen Bauraum für ausreichend dimensionierte Kettenräder.
Fehler 2: Mindestanforderungen an die Zähnezahl ignorieren
Manche Konstrukteure wählen Kettenräder mit 10 bis 12 Zähnen, um hohe Übersetzungen in einer einzigen Stufe zu erreichen.
Lösung: Setzen Sie bei hohen Übersetzungen auf mehrstufige Untersetzungen oder prüfen Sie alternative Antriebsarten wie Getriebe oder Riementrieb.
Fehler 3: Die Kettenradgröße nicht an die Lastbedingungen anpassen
Der Einsatz kleiner Kettenräder in hoch belasteten Anwendungen beschleunigt den Ausfall.
Lösung: Legen Sie die Zähnezahl nach der Einsatzbeanspruchung aus, nicht allein nach dem verfügbaren Bauraum.
Fehler 4: Spitzenlasten außer Acht lassen
Die Auslegung von Kettenrädern auf die durchschnittliche Last unter Vernachlässigung von Stoßlasten oder Spitzenmomenten führt zu vorzeitigem Ausfall.
Lösung: Kettenräder sind für Spitzenlasten mit geeigneten Betriebsfaktoren auszulegen (je nach Anwendung typischerweise 1,2–2,0).
Fehler 5: Bestehende Konstruktionen ohne Verständnis übernehmen
Nur weil es früher funktioniert hat, ist es noch lange nicht optimal – insbesondere dann, wenn die Instandhaltung häufig erforderlich war.
Lösung: Bestehende Anlagen sollten vor einer Konstruktionsübernahme im Hinblick auf die tatsächliche und die erwartete Lebensdauer analysiert werden.
Erweiterte Betrachtungen
Ungerade gegenüber geraden Zähnezahlen
Erfahrene Ingenieure bevorzugen häufig Kettenräder mit ungerader Zähnezahl, insbesondere Primzahlen (17, 19, 23, 29 usw.). Die Begründung lautet:
Ungerade Zähnezahlen verteilen den Verschleiß gleichmäßiger über die Kettenglieder
Primzahlen verringern die Häufigkeit, mit der dasselbe Kettenglied auf denselben Zahn trifft
Diese „Verschleißverteilung“ kann die Kettenlebensdauer in manchen Anwendungen um 10–20 % verlängern
Gleichwohl sind gerade Zähnezahlen (20, 24, 30 usw.) ebenfalls weit verbreitet und zulässig, insbesondere wenn:
exakte Übersetzungsverhältnisse gefordert sind
Standardabmessungen Ihren Anforderungen entsprechen
die Kettenräder ausreichend groß sind, sodass die Verschleißverteilung weniger kritisch ist
Mehrsträngige Ketten
Wenn die Leistungsanforderungen die Tragfähigkeit einer Einfachkette übersteigen, werden mehrsträngige Ketten (Duplex, Triplex oder Quadruplex) eingesetzt. Die Zähnezahl bleibt dabei weiterhin ein wichtiges Kriterium, jedoch:
wird die Last auf mehrere Stränge verteilt
werden Mindestzähnezahlen noch wichtiger
wird die Ausrichtung zwischen den Kettenrädern entscheidend
Kosten und Komplexität steigen deutlich.
Temperatureinfluss
Die Betriebstemperatur beeinflusst die Auswahl der optimalen Zähnezahl:
Hohe Temperaturen: Schmierstoffe dünnen aus; daher sind größere Kettenräder für eine bessere Wärmeableitung erforderlich.
Niedrige Temperaturen: Schmierstoffe verdicken sich; unter Umständen sind größere Kettenräder erforderlich, um die erhöhte Reibung zu überwinden.
Temperaturwechsel: Temperaturänderungen können zu Ausdehnung und Schrumpfung führen. Dadurch verändert sich die Kettenspannung. Die richtige Zähnezahl ist daher entscheidend, um die erforderlichen Umschlingungswinkel sicherzustellen.
Praxisbeispiele
Beispiel 1: Industrieller Förderer
Anforderungen:
Motor: 1.750 RPM, 5 HP
Gewünschte Fördergeschwindigkeit: 30 Fuß pro Minute
Last: 2.000 lbs im stationären Betrieb
Betrieb: 16 Stunden täglich, 6 Tage pro Woche
Lösung:
Antriebskettenrad: 25 Zähne (ausgelegt für den Dauerbetrieb)
Abtriebskettenrad: 72 Zähne (Verhältnis von etwa 2,9:1)
Abtriebsdrehzahl: ca. 600 RPM
Kette: ANSI #60 (Teilung 3/4")
Erwartete Kettenlebensdauer: 15.000–20.000 Stunden bei sachgerechter Wartung
Beispiel 2: Endantrieb eines Motorrads
Anforderungen:
Motorleistung: maximal 8.000 RPM
Gewünschte Drehzahl des Hinterrads: 2.000 RPM bei Höchstgeschwindigkeit
Spitzendrehmoment: 60 lb-ft
Einsatzbereich: Leistungsorientierter Straßeneinsatz
Lösung:
Vorderritzel: 15 Zähne (kompakt, passt ins Motorgehäuse)
Hinterradritzel: 43 Zähne (Übersetzungsverhältnis ca. 2,87:1)
Abtriebsdrehmoment: ca. 172 lb-ft am Hinterrad
Kette: #520 (Teilung 5/8")
Kompromiss: Das vordere Ritzel liegt unter dem Optimum für die Kettenstandzeit, ist für das Lastkollektiv eines Motorrads jedoch noch vertretbar.
Beispiel 3: Landmaschinen
Anforderungen:
Zapfwelle des Traktors: 540 RPM
Gewünschte Drehzahl der Fräsmesser: 180 RPM
Spitzenstoßlasten: 150 % des Nennwerts
Umgebung: Staubig, verschmutzt, saisonaler Einsatz
Lösung:
Antriebsritzel: 30 Zähne (robust bei Stoßlasten)
Abtriebsritzel: 90 Zähne (Übersetzung 3:1)
Kette: ANSI #80 (Teilung 1") für den Schwerlastbetrieb
Besonderheit: Beide Ritzel sind überdimensioniert, um Verschmutzung und Stoßbelastungen zuverlässig aufzunehmen.
Erwartete Kettenstandzeit: 5–7 Jahre bei saisonalem Einsatz und sachgemäßer Lagerung
Wartungstipps für eine längere Kettenstandzeit
Unabhängig von der gewählten Zähnezahl maximiert eine sachgerechte Wartung die Lebensdauer des Kettensystems:
Regelmäßige Schmierung: Halten Sie die vom Hersteller vorgegebenen Intervalle ein und erhöhen Sie die Schmierfrequenz bei kleineren Kettenrädern
Überwachung der Kettenspannung: Prüfen und justieren Sie die Kettenspannung monatlich oder gemäß den Herstellervorgaben
Ausrichtungsprüfung: Eine Fehlausrichtung beschleunigt den Verschleiß unabhängig von der Zähnezahl
Verschleißprüfung: Messen Sie die Kettenlängung regelmäßig; bei 2–3 % Längung ist ein Austausch vorzunehmen
Prüfung der Kettenräder: Ersetzen Sie Kettenräder, sobald deutlicher Zahnverschleiß erkennbar ist (hakige Zahnprofile)
Sauberkeit: Entfernen Sie Schmutz und Partikel, die den abrasiven Verschleiß beschleunigen
Lastüberwachung: Vermeiden Sie eine Überschreitung der Auslegungslasten, da dadurch Kette und Kettenräder gleichermaßen beansprucht werden
Fazit
Die Zähnezahl eines Kettenrads ist weit mehr als nur ein Maß auf der Zeichnung. Sie ist ein grundlegender Parameter, der Drehzahl, Drehmomentübersetzung, Wirkungsgrad, Geräuschentwicklung, Schwingungsverhalten und Bauteillebensdauer bestimmt. Wer die Auswirkungen der Zähnezahl auf diese Faktoren kennt, kann fundierte Entscheidungen treffen. So lassen sich Leistung und Betriebssicherheit verbessern und gleichzeitig die Lebenszykluskosten senken.
Für weitere Informationen zu Kettenrädern wenden Sie sich bitte an Lily Bearing.






